Waidgerechtigkeit ist das Fundament jeder verantwortungsvollen Jagdausübung. Wenn du jagst, übernimmst du Verantwortung für das Wild, für dein Revier, für deinen Jagdhund und für das Bild der Jagd in der Öffentlichkeit. Doch was bedeutet Waidgerechtigkeit konkret? Welche Regeln gelten? Und warum ist jagdliches Brauchtum bis heute mehr als reine Tradition?
Der Begriff ist nicht nur Tradition, sondern gesetzlich verankert. Im § 1 des Bundesjagdgesetz (https://www.gesetze-im-internet.de/bjagdg/__1.html), veröffentlicht durch das Bundesministerium der Justiz (https://www.bmjv.de/DE/Startseite/Startseite_node.html) , heißt es, dass die Jagd „nach den allgemein anerkannten Grundsätzen deutscher Waidgerechtigkeit“ auszuüben ist.
Damit ist klar: Waidgerechtigkeit ist verpflichtend.
Der Deutscher Jagdverband (https://www.jagdverband.de ) definiert sie als die Gesamtheit aller geschriebenen und ungeschriebenen Regeln, die eine tierschutzgerechte, nachhaltige und verantwortungsvolle Jagdausübung sichern.
Für uns alle bedeutet das:
Achtung vor dem Wild als Mitgeschöpf
Vermeidung unnötiger Leiden
Nachhaltige Regulierung von Wildbeständen
Respekt gegenüber Natur, Eigentum und Mitmenschen
Seit 2002 ist Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (Art. 20a) (https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_20a.html) verankert. Zusätzlich regelt das Tierschutzgesetz in § 1 (https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__1.html), dass niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen darf. Für die Jagd heißt das konkret:
Du musst jederzeit sicherstellen, dass dein Handeln fachlich korrekt, tierschutzgerecht und verhältnismäßig ist. Der schnelle, sichere Schuss, die konsequente Nachsuche und eine saubere Wildbretversorgung sind Ausdruck dieser Verpflichtung.
Waidgerechtigkeit ist damit angewandter Tierschutz im Revier.
Waidgerechtigkeit zeigt sich nicht in großen Worten, sondern in deinem täglichen Verhalten.
1. Der sichere Schuss
Sauberes Ansprechen des Wildes
Nur schießen, wenn Kugelfang und ein sicheres Hinter- sowie Vorderland gegeben ist
Eigene Schießfertigkeit realistisch einschätzen und regelmäßige Schießstandbesuche durchzuführen
Passende Munition verwenden
Keine Risiken eingehen
Ein nicht abgegebener Schuss kann waidgerechter sein als ein riskanter mit fatalen Folgen.
2. Pflicht zur Nachsuche
Beschossenes Wild darf nicht sich selbst überlassen werden. Die gewissenhafte Nachsuche oder Kontrollsuche nach einem Schuss, gegebenenfalls mit einem spezialisierten und dafür ausgebildeten Jagdhund, ist ein elementarer Bestandteil waidgerechter Jagd.
3. Nachhaltige Hege
Waidgerechtigkeit bedeutet auch, Wildbestände so zu regulieren, dass ein gesunder Lebensraum erhalten bleibt. Laut dem Deutscher Jagdverband gehört zur modernen Jagd untrennbar die Pflege von Biotopen und die Berücksichtigung ökologischer Zusammenhänge. Du jagst also nicht nur, du erhältst und gestaltest Lebensräume.
Bräuche wie:
der „Letzte Bissen“
der „in Besitznahme Bruch“
das Verblasen der Strecke
das Streckelegen
das Überreichen des Erlegerbruchs
sind keine folkloristischen Rituale ohne Bedeutung.
Sie sind sichtbarer Ausdruck von Achtung vor dem erlegten Wild. Sie machen Werte greifbar und stärken die Gemeinschaft unter uns Jägerinnen und Jägern.
Gerade in einer Zeit, in der Jagd gesellschaftlich kritisch betrachtet wird, zeigt gelebtes Brauchtum, dass Jagd nicht beliebig ist, sondern kulturell und ethisch eingebettet.
Jagd steht heute stärker im öffentlichen Fokus als früher. Umso wichtiger ist es, dass du Waidgerechtigkeit nicht nur im Revier, sondern auch im Alltag lebst. Eine respektvolle Kommunikation gegenüber Jagdkameraden sowie Nicht-Jägern muss immer stattfinden. Ein sachlicher Umgang mit Kritik bietet eine Basis für einen Austausch auf Augenhöhe. Eine transparente Darstellung unserer jagdlichen Arbeit sorgt für Klarheit und Verständnis gegenüber dem Waidwerk.
Waidgerechtigkeit endet nicht am Hochsitz, sie begleitet uns auch außerhalb des Reviers tagtäglich.
Ein oft unterschätzter Aspekt: Der Einsatz deines Jagdhundes muss waidgerecht erfolgen.
Das bedeutet:
eine gute und fundierte Ausbildung
keine Überforderung
ausreichende Erholungsphasen
eine tierärztliche Versorgung bei Verletzungen
Ein gesunder, leistungsfähiger Hund ist Teil verantwortungsvoller Jagdausübung, körperlich wie ethisch.
Waidgerechtigkeit verbindet Recht, Ethik, Tradition, Handwerk und Naturschutz.
Wenn du waidgerecht jagst, handelst du verantwortungsbewusst, gegenüber dem Wild, deinem Hund und der Gesellschaft und ermöglichst so eine positive Außendarstellung für die Jagd.
Und genau das sichert die Zukunft der Jagd und einen gesunden Wildtierbestand.
Zuletzt geändert: 28. April 2026
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